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Nein, keine Angst ich möchte hier keine anti-europäische Haltung verbreiten. Allerdings sind so einige europäische Entwicklungen im Gange, die einem doch recht fragwürdig erscheinen. Eine davon ist die neue Urheberrechtsnovelle, deren Artikel 13 das Verhältnis zwischen den großen Content-Plattformen im Internet und den Urheberrechteinhabern, i.d.R. sind das die Verwertungsgesellschaften, regeln soll. Der Gesetzesentwurf soll nun am Dienstag im europäischen Parlament beraten werden.

Worum es im Detail geht, kann man mittlerweile überall lesen. Dreh und Angelpunkt ist Artikel 13. Sollte dieser beschlossen werden, fürchten viele Nutzer, dass sog. Uploadfilter auf den großen Plattformen unvermeindlich sind, um Schadensersatzforderungen abzuwenden. Uploadfilter gelten als der Einstieg in die Zensur und damit in ein Orwellsches Zeitalter. Denn Technik kann nicht zwischen erlaubten Satire-Beiträgen und unerlaubter Verwendung von urheberrechtlich geschützen Musik- oder Videostücken unterscheiden. Russland und China machen es vor, die Zensur im Internet funktioniert: filtern ist das Zauberwort. Was nicht gefällt, kommt erst gar nicht live ins Netz. Bisher musste man den Plattformen mitteilen, dass es einen Urheberrechtsverstoß gab und die Inhalte wurden dann entfrent. Mit dem neuen Urheberrecht muss vor Veröffentlichung der Rechtsverstoß abgewendet werden. Dies geht nur mit vollautomatischen Uploadfiltern. Besonders ausführlich sind die Streitpunkte im aktuellen Heise-Uplink Video erklärt worden.

Letztlich geht es ums Geld und insbesondere darum, wie der Kuchen verteilt wird. Viele Rechteinhaber der „alten Welt“ bekommen keine neuen effizienten Geschäftsmodelle etabliert, mit denen sie ihre Inhalte gewinnbringend an die Nutzer verkaufen können. Oder es reicht ihnen einfach nicht, was bisher gezahlt wurde. Deshalb wird nun versucht, Geld aus den Plattformbetreibern zu pressen, deren Geschäftsmodelle verdienen gutes Geld. Ohnehin wäre es viel einfacher, wenn die Rechtenutzung pauschal abgerechnet werden würde, z.B. je DSL-Anschluss. Ich wäre bereit dafür 5 Euro im Monat zu zahlen, wenn damit alle Copyright-Themen erledigt wären und die unsäglichen Abmahnvereine keine Arbeit mehr hätten.

Kleinere, mittelständische Unternehmen oder Existenzgründer in Europa werden durch ein solches Urheberrecht, wie es jetzt verabschiedet werden soll, quasi vom Markt gefegt. Diese Unternehmen werden es sich nicht leisten können eigene Uploadfilter für ihre Plattformen zu programmieren. Damit festigen sich die bestehenden Plattformen als Global-Player ohne das nennenswerte Konkurrenz überhaupt entstehen könnte.

Europa und insbesondere das digitale Europa schneidet sich mit solchen wenig durchdachten Regelungen ins eigene Fleisch. Getrieben von alten Verlagskonzernen und Verwertungsgesellschaften, mit überholten, nicht digitalen Geschäftsmodellen und zu Lasten einer jungen Generation digitaler Natives, die es nicht verstehen, warum ihr Internet zukünftig de-facto zensiert wird.

So wird das nichts mit der digitalen Zukunft Europas.

 

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