Eingang Burgpassage von der Schuhstrasse aus 2017

Die Burgpassage soll umgestaltet werden zur Burggasse. Nach einem städtebaulichen Wettbewerb, der viele Aspekte des Vorhabens berücksichtigt hat, fehlt nun noch die Baugenehmigung der Stadt Braunschweig. Einige kritisieren, dass die Bedachung zukünftig wegfallen soll. Andere wenden ein, dass Einschnitte bei zwei historischen Fassaden, die unter Denkmalschutz stehen, nicht vertretbar sind. Gerade diese Fassaden könnten mit ein wenig gutem Willen vielleicht erhalten bleiben. Allerdings müsste dazu das Konzept des Investors geändert werden. Und hier scheiden sich die Geister. Denn was für den Denkmalschutz richtig wäre, ist für den Einzelhandel vielleicht schädlich.

Der Handel muss die Frage stellen: wo gehen Menschen eigentlich gerne lang und wie erzeuge ich eine möglichst hohe Besucherfrequenz. Nur so kommt Umsatz in einen Laden. Dazu gehört auf jeden Fall das Entré. Je besser es gefunden wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen hinein- oder durchgehen. Schlechte Entrés sind der Tod für den Einzelhandel, was man beim Schlosscarree sehr gut sehen kann. Die Eingänge sind schlecht sichtbar aus Richtung Bohlweg und Steinweg. Dadurch fehlt die optische Einladung die Passage zu nutzen, die Frequenzen sind gering, der Einzelhandel generiert nicht genügend Umsatz, die Läden stehen leer. Bei der Burgpassage ist es ähnlich. Wenn man nicht wüßte als Braunschweiger, dass dort eine Passage ist, könnte man auch leicht daran vorbeigehen. Dies passiert den auswärtigen Besuchern sicherlich regelmäßig. Außerdem befindet sich in der Passage kein Besuchermagnet. Der letzte war H&M, der nun am Damm 16 sowie im Schloss Bekleidung anbietet. Besserung ist nicht in Sicht.

Klar ist: es muss dort etwas passieren, sonst ist wieder einmal ein Stück Einzelhandelslandschaft in der Innenstadt verloren. Ein Vorschlag liegt auf dem Tisch. Ein Investor will rd. 90 Mio. Euro in unsere Stadt investieren. Das ist ein gutes Zeichen, auch für Folgeinvestitionen. Aus meiner Sicht hat der Denkmalschutz nicht die höchste Priorität bei der Planung von innerstädtischen Bauvorhaben, sondern es muss immer ein Abwägungsprozess sein.

Wir reden nicht vom Abriß des Doms!

Der Braunschweiger Einzelhandel steht nicht nur im Wettbewerb mit anderen Städten, sondern auch mit dem Internethandel. Um was geht es bei den zwei denkmalgeschützten „Häusern“ eigentlich? Zunächst einmal sind es überhaupt keine „Häuser“ sondern nur Fassaden. Die Häuser dahinter gibt es schon lange nicht mehr. Natürlich wäre es schade, wenn die Fassaden wegfallen oder sich reduzieren würden. Auf der anderen Seite ist es eine kleine Katastrophe, wenn die Burgpassage weiterhin „totes Land“ in der Innenstadt bliebe. Und was viel entscheidender ist: es gibt eine sehr schlechte Signalwirkung für zukünftige Investitionen im Innenstadtbereich.

Björn Hinrichs, Planungspolitischer Sprecher CDU-Ratsfraktion Braunschweig

In Abwägung dieser Gesichtpunkte, ist für mich die Sache klar: die Verwaltung muss zusammen mit dem Investor eine Lösung finden, die möglichst viele Belange unter einen Hut bringt. Im Zweifelsfall muss es aber auch möglich sein, denkmalgeschützte Fassaden verändern zu dürfen. Die Verwaltung sehe ich in der Pflicht, nach Abwägung aller Gesichtspunkte, die Baugenehmigung zügig vorzunehmen.

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